Systemische Familientherapie

Die „Systemische Familientherapie“ ist ein Angebot, welches eine konkrete Hilfestellung im Alltag und in unterschiedlichen Situationen persönlicher Herausforderungen geben kann.

Dieses Angebot soll Ihnen mit einigen Antworten von Pfarrer Peukert näher gebracht werden. 

Wie sind Sie in Ihrer Arbeit als Priester mit dem Thema „Familientherapie“ in Kontakt gekommen?

Pfarrer Peukert: „Bei einer Weiterbildung im Jahre 2002 ergab sich für mich die Möglichkeit, die Systemische Familientherapie näher kennen zu lernen. Mir war diese therapeutische Richtung sofort sympathisch, weil hier eine etwas andere Art zu Sehen, zu Denken und dann auch zu Handeln vorgestellt wurde.

Es werden Lösungen gesucht, anstatt bei der Beschreibung des vermeintlichen Problems stehen zu bleiben. Gefragt sind die eigenen Ressourcen anstatt auf die Defizite zu schauen.

Wir sind es gewohnt, im Sinne von Ursache und Wirkung zu denken. Stattdessen könnte es sinnvoller sein, sich einladen zu lassen zu einem Wechsel der Sichtweise auf mein Leben oder das Anliegen, mit dem ich zu einer Beratung komme.

Auf passende Weise wird das auch beschrieben durch ein Sprichwort: „Wenn dir jemand eine Zitrone gibt, mach eine Limonade daraus!“

Was meint „Systemische Familientherapie“?

Pfarrer Peukert: „Das „Systemische“ bei der Familientherapie bedeutet, dass das System, also nicht nur der Einzelne im Blick ist und in den Prozess der Lösung des Anliegens mit einbezogen wird, ebenso der Kontext. Wir leben ja nicht einzeln bzw. allein in dieser Welt, sondern haben Vorfahren, Eltern, Geschwister, Partner, Kinder…

Während der Beratung wird deshalb ein Genogramm (Familienstammbaum) erstellt, dadurch werden auch andere Mitglieder des Systems sichtbar und die eigene Verbindung zu ihnen.

Das ursprüngliche System, in dem wir miteinander leben, ist die Familie.

Jedoch lässt sich die Methode, mit der ein Anliegen aus dem familiären Kontext bearbeitet wird, auch auf andere Systeme (Firma, Schule, Verein, Partei, Kirchengemeinde) übertragen.“

In welcher Form sind Sie für diese Therapie ausgebildet worden?

Pfarrer Peukert: „Nachdem ich 2006 die Ausbildung zum Geistlichen Begleiter am Institut für Pastoralpsychologie der Hochschule St. Georgen in Frankfurt a.M. abgeschlossen hatte, begann ich 2007 die dreijährige Weiterbildung zum Systemischen Familientherapeuten an einem Systemischen Institut in Sachsen.

Seit dem Abschluss der Ausbildung biete ich neben meiner Tätigkeit als Gemeindepfarrer ab 2010 Gespräche und Beratung an. Es sind ganz unterschiedliche und vielfältige Themen, mit denen jemand zu mir kommt. Fragen, die die Partnerschaft betreffen oder die Aufgabe als Mutter bzw. Vater.“

In welchen Situationen könnte eine solche „Systemische Familientherapie“ greifen?

Pfarrer Peukert: „Manchmal gibt es herausfordernde Situationen bei Lebensübergängen zu bewältigen. Hier sind Rituale oft eine große Hilfe.

Oder es sind psychosomatische Symptome, die jemanden an seine Belastungsgrenze führen.

Oder es wird deutlich, jemand braucht Unterstützung beim Trauern und Loslassen nach einem Verlust.

Manchmal ist Klärungsbedarf im beruflichen Umfeld ein Ansatz für eine Begleitung.

Weitere Themen, die besprochen werden können, finden sich auf dem Flyer Systemische Familientherapie

Wie kann man Sie kontaktieren und ist die Familientherapie konfessionell eingeschränkt?

Pfarrer Peukert: „Der Erstkontakt ergibt sich meist telefonisch oder per Mail. Nach einem Erstgespräch wird dann entschieden, ob es weitere Gespräche gibt.

Die Dauer der Beratung richtet sich nach dem Anliegen, mit dem jemand zu mir kommt.

Wichtig ist mir, ganzheitlich und gegenständlich zu arbeiten, die Sinne, den Leib (Rituale) mit in den Gesprächsprozess hinein zu nehmen.

Mein Angebot ist ein offenes Angebot unabhängig von einer Konfession oder Religion.

Manchmal kontaktiert mich jemand ganz bewusst, weil ich als katholischer Pfarrer und Seelsorger einen christlichen Hintergrund habe.“

Gibt es die Möglichkeit, Ihre Arbeit auch in Kreisen oder Gruppen vorzustellen?

Pfarrer Peukert: „Gern komme ich auch zu einer Gruppe (Elternkreis, Trauergruppe, Selbsthilfegruppe, Familienkreis, Menschen, die in sozialen, pädagogischen oder medizinischen Berufen tätig sind o.ä.) um die Systemische Familientherapie vorzustellen. Dabei erläutere ich in einem Vortrag einige wichtige Stichworte und Methoden.“

Weitere Informationen zur Systemischen Familientherapie: siehe Homepage der Systemischen Gesellschaft (SG). Zusammengefasst können die wesentlichen Eckpunkte wie folgt erläutert werden: 

Systemische Familientherapie

Wir leben als Einzelne in verschiedenen Systemen in wechselseitigen Beziehungen und Bindungen

Systemische Familientherapie

Schaut auf alle lebenden Systeme, besonders die Familie, das ursprüngliche System; darüber hinaus können andere Systeme betrachtet werden (Firma, Schule, Verein, Partei, Gesellschaft, Kirchengemeinde)

Systemische Familientherapie

Als therapeutische Methode seit 2008 grundsätzlich wissenschaftlich anerkannt, „Therapie“ (griechisch) kann mit „Heilung“ übersetzt werden.

Wenn nach einer herausfordernden Situation, nach einem geklärten Konflikt, ein Mensch wieder in seiner Mitte und in seiner Kraft ist, ein Teil eines Systems/ das Ganze wieder im Gleichgewicht ist, dann ereignet sich Heilung und ein größeres Vertrauen in sich und andere Menschen. 


Berichterstattung zur Systemischen Beratung

Die Leipziger Volkszeitung berichtete am 5. August 2017 über Gemeindemitglied Cornelia Stieler und die Systemische Beratung.Quelle: Latchinian, H. (05.08.2017). Ge(h)spräche im Wald. Leipziger Volkszeitung, Ausgabe Muldental, S. 31.